Rolf Benz, Rolf Benz AG

„Rumgeheult wird nicht!“

Rolf Benz Lebensgeschichte ist Stoff für das klassische „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. Tiefschläge und Fremdbestimmung inklusive

Seine Name steht für strenge Formen und klare Linien  im Möbel-Design: Rolf Benz

Seine Name steht für strenge Formen und klare Linien im Möbel-Design: Rolf Benz

Foto: Michael Bode

Für das Foto würde ich am liebsten stehen“, sagt Rolf Benz. Der Mann, dessen Name wie kein zweiter in Deutschland gleichbedeutend ist fürs Sitzen, entscheidet sich für sein Porträtbild fürs Stehen.

Es ist nicht die einzige Situation, in der Rolf Benz überrascht. Irgendwie entspricht er überhaupt nicht dem Klischee des Selfmademan. Ja, allein der Begriff will so gar nicht zu dem Bundesverdienstkreuzträger passen.

Dabei würde das Lebenswerk des 76-Jährigen auch gut zwei Leben ausfüllen. Aus eigener Kraft hat er es vom Raumausstatter-Lehrling zum deutschen Möbel-Magnaten geschafft. Gleich zwei große Möbel-Imperien tragen seine Handschrift; eines dieser Häuser sogar seinen Namen. Doch die Person Rolf Benz hat mit der Firma nichts mehr zu tun. Ein befremdlicher Sachverhalt? Nicht so für Rolf Benz. „Das ist überhaupt nicht merkwürdig. Ich habe Firma und Marke schließlich aufgebaut.“

Entstanden ist die heutige Rolf Benz AG aus einer von Rolf Benz entworfenen Polsteranbaugruppe, der sogenannten Benz-Ecke, Anfang der 1960er-Jahre. „Es konnte doch nicht sein, dass die Menschen, die sich praktisch und funktional  einrichten wollten, alle einen schlechten Geschmack hatten“, erinnert sich Benz an seine anfängliche Motivation, als er Entwürfe auch schon mal auf den notdürftig gefegten Werkstattboden skizzierte. Seine Möbel sollten eleganter werden, gleichzeitig aber nicht länger als Inventar des damaligen heiligen Schreins Gute Stube herhalten. „Ich wollte einen Wohnraum schaffen, in dem man leben, sich annähern und auch mal die Beine auf den Tisch legen darf.“

Der Möbelhersteller wächst damals rasant, mit jährlicher Umsatzsteigerung von 30 Prozent. 1978 erlebt die Firma ihr erfolgreichstes Jahr, ein Jahr darauf jedoch rutscht der Umsatz ab. Die Vision, aus der Polsterkollektion eine komplette Einrichtungsmarke zu entwickeln, erweist sich als zu früh gedacht. Heute, als Teil der Hülsta-Unternehmensgruppe, hat sich diese Idee für die Rolf Benz AG verwirklicht.

Doch der Mensch Rolf Benz ist schon seit zehn Jahren nicht mehr Teil dieser Firma. Das Loslassen, sagt er, war für ihn eine besondere Herausforderung. „Was hätte ich tun sollen? Die Übernahme durch Hülsta boykottieren? Dann hätte ich mich an meinem eigenen Unternehmen versündigt. Die Marke Rolf Benz ist schließlich mein Lebenswerk, mein Kind.“ Und dieses Kind lebt, ist erwachsen geworden, allerdings ohne seinen geistigen Vater.

Auch im Kauf von Walter Knoll 1993 sieht Benz keinen Widerspruch oder eine Vernachlässigung der Marke Rolf Benz: „Das Geld von Rolf Benz haben wir bei Walter Knoll investiert. Ohne Rolf Benz gäbe es also kein Walter Knoll.“

Und dem Möbelproduzenten mit mehr als 150-jähriger Geschichte geht es gut. Rolf Benz ist heute Aufsichtsratsvorsitzender der Walter Knoll AG, sein Sohn Markus ist Vorstand und Mehrheitsgesellschafter.

Rückblickend hat Rolf Benz rein gar nichts von dem erreicht, was er sich damals, nach Kriegsende, vorgenommen hatte. Er wollte raus aus Nagold, wollte Arzt werden. Oder Ingenieur. „Polsterer? Das war das Letzte“, erinnert sich der 76-Jährige. Doch die strenge Mutter bestimmte diese Ausbildung für den Sohn und erlaubte keine Widerrede. Und Rolf Benz, charakterlich der Mutter nicht fern, sich selbst ungern eine Schwäche. „Rumgeheult wird nicht“, ist seine Devise während der dreijährigen Lehrzeit, an deren Ende er dann aber doch kündigt. Raus aus der Schwarzwaldenge kommt er trotzdem nicht. Der Tod des Onkels führt ihn in die Polsterfabrikation des Cousins. Später macht er sich selbstständig, der Rest ist bekannt.

„Das Schicksal wollte es so“, sagt Rolf Benz heute ganz nüchtern. „Ich bin dankbar, dass es so ist, wie es ist.“

Natalie Butz

Rolf Benz, geboren 1933 in Nagold, begann seine Karriere als Herr der Möbel mit den beiden variablen Polsteranbauprogrammen Addiform und Pluraform. Schöpferische Unruhe sieht er als wichtigsten Antrieb für sein Tun. „Das habe ich wohl von meiner Mutter, dass man Dinge, die man verbessern kann, nicht so lässt, wie sie sind“, erklärt er. Auch als Designer würde er sich selbst nie betiteln. „So haben mich immer nur andere genannt.“

Seinen Lebensweg verdankt er größtenteils seinem Cousin, für dessen Polsterfabrikation er die ersten Möbel baute. „So einen Querulanten wie mich hätte ich rausgeschmissen“, wundert sich Benz noch heute über seinen Wagemut dem Cousin und dem Meister gegenüber.

Damals wie heute nutzt der 76-Jährige jedoch lieber Beharrlichkeit statt seiner Ellenbogen. Benz ist verheiratet, hat vier Kinder und 13 Enkelkinder. Silvester 2009 feiert er mit seiner Frau Hilde Goldene Hochzeit. „Ich habe meiner Frau, die ich liebe, immer nur das Beste gewünscht. Deshalb bin ich auch so froh, dass sie mich hat“, sagt der Unternehmer schmunzelnd über seine Ehe.

econo im Social Web

  • econo bei Facebook
  • econo bei Twitter
  • econo bei Xing