Bettina Gräfin Bernadotte, Insel Mainau

Tief verwurzelt

Gräfin Bettina Bernadotte leitet erfolgreich die Insel Mainau. Der botanische Garten im Bodensee zählt zu den wichtigsten Touristenattraktionen. Und hat schwere Zeiten hinter sich

Gräfin Bettina Bernadotte leitet die Insel Mainau. Und hat den Familienbetrieb stabilisiert

Gräfin Bettina Bernadotte leitet die Insel Mainau. Und hat den Familienbetrieb stabilisiert

Foto: Jigal Fichtner

Der Spaziergang auf den kiesigen Wegen des Arboretums verrät viel über Gräfin Bettina Bernadotte. Hier auf dem Plateau der Insel Mainau, inmitten der teils 150 Jahre alten Baumriesen aus aller Welt, gerät die Geschäftsführerin der Mainau GmbH ins Plaudern. Dabei ist die Gräfin charmant, natürlich, redegewandt. Und sie hat Wissens­lücken. Der Name des Busches am Wegesrand? Die 37-Jährige kennt ihn nicht, gibt das souverän zu. Und hangelt sich auf der Suche nach dem Hinweisschild durchs Geäst. Man spürt, wie tief sie hier verwurzelt ist. Aber ohne Pathos.

Die Mainau. Der Name hat Klang. 85 Prozent der Deutschen kennen den 45 Hektar großen Molassekalkfelsen am westlichen Ende des Bodensees. Palmen, Blumen und See, dafür kennt man das Eiland. Ebenso wichtig: Diese gewisse Portion Adel, die gut erträglich ist. Denn Familie Bernadotte darf wegen der direkten Verwandtschaft zum schwedischen Königshaus durchaus als „Attraktion“ der Mainau bezeichnet werden.

Was aber kaum jemand beachtet: Die Insel ist ein Unternehmen mit 300 Mitarbeitern in der Hauptsaison und einem Umsatz, der um die 23 Millionen Euro pendelt. Alleine generiert durch 1,1 Millionen Besucher pro Jahr, dazu Hochzeiten und Tagungen. Vor zehn Jahren waren die Zahlen wenig rosig.

Das Büro im Südflügel des Mainau-Schlosses ist wohltuend unspektakulär. Prestigedesign-Objekte gibt es nicht, Stühle, Besprechungstisch und Schreibtisch sind hochwertig, doch schlicht. Der lichte Raum passt wie die Karaffe mit stillem Wasser perfekt zum natürlichen Auftreten der 37-Jährigen.

„Die Frage kam zu einem früheren Zeitpunkt, als ich ihn mir eigentlich gewünscht hätte.“ Offen spricht die Mainau-Chefin über die Nachfolgefrage auf der Insel, damals zu Beginn des neuen Jahrtausends. Eigentlich hätte ihrem Bruder Björn Bernadotte das Recht gebührt. Doch der verzichtet, also trug die Mutter Gräfin Sonja die Frage an ihre Älteste heran. „Meine Antwort war: Ich schaue es mir mal an.“ 2002 unterschreibt sie einen Beratervertrag, 2007 übernimmt sie die Geschäftsführung. Derart viel Freiheit ist bemerkenswert. Zumal beim Adel.

Das hat viel mit dem Lebensgefühl der Familie Bernadotte zu tun. Freiheit und Liberalismus sind hohe Werte. „Meine Eltern haben uns dazu erzogen. Alle Geschwister mussten die Insel mal verlassen, um etwas anderes mitzubekommen.“ Wer der dreifachen Mutter so zuhört, wie sie über ihren Sturm und Drang, das angefangene und abgebrochene Kunststudium in Madrid, das Praktikum im schwedischen Nationalmuseum, ihre Fahrten mit dem Motorrad, einer Honda Vigor, ihre Tätowierung spricht, der merkt, wie gut ihr die Jahre getan haben. „Da war ich nicht nur Tochter.“ Das macht stark. Deshalb wohnt sie auch heute nicht auf der Insel. Ein Novum.

Der Ruf zurück auf die Insel erfolgt kurz nach Abschluss des dualen Studiums zur Tourismusbetriebswirtschaft, der Europa-Park ist der Ausbildungsbetrieb. Sie spricht fünf Sprachen. Die Mainau ist zu dieser Zeit in der Krise. Die Besucherzahlen haben sich halbiert, das Angebot passt nicht in die Zeit. Die Strukturen der GmbH auch nicht. Gräfin Sonja hat das erkannt, stellt erste Weichen.

Der Tochter gelingt der Turn­around mit einem klaren Fokus: „Wir haben die Mainau als Premium- marke etabliert.“ Es lässt sich erahnen, wie viel Arbeit dahintersteckt. Millionen wurden investiert in Schmetterlingshaus, Gastronomie und Spielplätze. Die Besucher sind gebildet, nehmen Sonderschauen zu Kunst und Kultur gerne mit. Die Wiederholerquote steigt, die Konsumfreude auch. Gräfin Bettina etabliert zudem kleine Leistungen, wie die Besucherberatung durch die Gärtner. „Da frage ich auch immer mal wieder nach.“ Beispielsweise wenn ihr der Name eines Busches nicht einfällt.

Bettina Bernadotte, Gräfin von Wisborg, wurde 1974 als Älteste von fünf Kindern von Lennart und Sonja Bernadotte geboren. Die Bernadottes zählen wegen der direkten Verwandtschaft zum schwedischen Königshaus zum europäischen Hochadel. Und sind deshalb regelmäßig in den einschlägigen Klatschblättern vertreten. Gräfin Bettina sieht’s weitgehend pragmatisch: „Für Veranstaltungen ist das nützlich.“ Anders ausgedrückt: Steht eine Taufe oder Hochzeit an oder schauen gar Mitglieder des schwedischen Königshauses vorbei, dann wird es voll auf der Insel. Das wiederum nützt dem Umsatz.

Denn der Erhalt der Mainau und damit die Wahrung des Erbes von Graf Lennart Bernadotte ist für Gräfin Bettina und die Geschwister das höchste Gut: 23-jährig hat er die Insel 1932 von seinem Vater Wilhelm zu Schweden bekommen. Kurz darauf verzichtete Lennart Berna­dotte auf seine Thronrechte, der ersten Liebe wegen. Dafür wurde die Mainau zum Lebenswerk. Graf Lennart etablierte sie als Anziehungspunkt und rief Natur- und Kultur-Stiftung sowie das Nobelpreisträger-Treffen ins Leben.

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